Stubenhockerei

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Invasion of the Body Snatchers (1956 & 1978)

Don Siegels Invasion of the Body Snatchers von 1956 und Philip Kaufmans Remake von 1978 sind, obgleich sie sich wohl beide recht exakt an die literarische Vorlage halten, ziemlich unterschiedliche Filme: Der auffälligste Unterschied ist zunächst natürlich der Ort – im Original ist es eine typische kalifornische Kleinstadt, sozusagen der friedliche, unschuldige Vorgarten Amerikas; im Remake ist es San Francisco, Hippiemetropole und Sündenpfuhl. Doch auch rein strukturell besteht eine bedeutende Differenz: Während im Remake von Anfang an gezeigt wird, wie außerirdische, offensichtlich bedrohliche Pflänzchen auf der Erde landen, lässt uns das Original zumindest eine Weile lang grübeln, weshalb sich die Welt um den guten Dr. Bennell plötzlich so sehr verändert hat. Na gut, der Titel und sämtliche Ankündigungen des Films dürften den Spekulationen die Luft nehmen – aber dennoch, die Art, wie uns die Filme an die extraterrestrische Bedrohung heranführen, ist sehr unterschiedlich.

In beiden Filmen wird die Umgebung der Hauptfiguren schrittweise durch gefühllose pflanzliche Duplikate ersetzt – in beiden Filmen reagiert die männliche Hauptfigur zunächst mit Skepsis auf die Berichte über ausgetauschte Menschen. Das Remake setzt diesen Aspekt jedoch meiner Meinung nach besser um, es gönnt sich mehr Zeit (die Geschichte entwickelt sich langsamer) und setzt diese gut ein.

Beide Filme sind Kinder ihrer Zeit. Der 1956er ist sehr im Stil der 50er Jahre, der 1978er ist entsprechend stark im Stil der 70er Jahre. Vielleicht ist es im Grunde nur der Stil der 70er Jahre, die ich an diesem Film bevorzuge, aber irgendwie zeigt das Remake für mich mehr Einfallsreichtum und Individualismus. Das Original ist, wie viele Sci-Fi-Filme aus der Zeit, aufgrund seiner Musik, seiner Schauspieler und seiner ganzen dramatischen Effekte extrem cheesy. Es half dabei sicher nicht, dass ich den Film nicht nur in seiner Studio-Cut-Version (mit „optimistischem“ Ende), sondern auch noch in der kolorierten Fassung gesehen habe. Beides hat mein Urteil über ihn sicherlich getrübt – der Director’s Cut, soll, wie ich gelesen habe, zumindest inhaltlich näher an der pessimistischeren, düstereren Version von 1978 liegen – was angesichts des Stoffs einfach ein geeigneteres Ende darstellt.

Aber auch ohne das „optimistische“ Ende der Originalversion bliebe sie irgendwie unfassbar cheesy, und dies nicht unbedingt auf die gute Weise.

Das Remake besitzt übrigens noch ein wesentliches Gimmick, welches sehr zu seiner Überlegenheit beiträgt: Der Psychiater, die Stimme der Logik und Vernunft, die in beiden Filmen auftaucht und ungefähr dieselbe Funktion erfüllt, wird im Remake von niemand anderem gespielt als: Leonard Nimoy!

1956: 80 Min. (5/10), 1978: 115 Min. (7/10)

Irgendwann schaue ich mir sicher auch noch die Version von Abel Ferrara an.

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2 Kommentare zu “Invasion of the Body Snatchers (1956 & 1978)

  1. Pingback: Body Snatchers (1993) « Stubenhockerei

  2. Pingback: Day the World Ended (1955) « Stubenhockerei

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