Stubenhockerei

Wir gehen nie hinaus, wir bleiben nur zuhaus'.

Der Seemann, der die See verriet (1970)

Nach meinem recht langen Beitrag über Mishimas Geständnis einer Maske (und, vor allem, das Für und Wider meiner Buchrezensionen) möchte ich hier nur einen kurzen Text über seinen späteren Kurzroman Der Seemann, der die See verriet schreiben.

Es ist ein tolles Buch. Voyeurismus (Der Sohn und sein Guckloch ins Schlafzimmer der Mutter), ein Seemann und seine neurotische Berufsmotivation (Nicht, weil er die See liebt, sondern weil er das Land hasst; bis er letztlich sich selbst dafür hasst, das Land zu vermissen, welches er aber trotzdem hasst), nihilistische Kinder, die an einer furchtbaren, furchtbaren Stelle dieser Erzählung ein Kätzchen töten, weil sie sich nietzscheesk gegen ihre Gefühle von Mitleid abhärten wollen (Gibt es etwas Herzzerreißenderes?): Viel Drama, sehr viel Nihilismus und noch mehr Mishima.

Von Letzterem weiß man nicht, wo er eigentlich steht. Mitleid mit dem armen Seemann, dem ein fragwürdiges Schicksal bevorsteht? Identifikation mit den heroistisch-nihilistischen Kindern? Überraschenderweise eher Letzteres. Aber man muss ihm nicht zustimmen; man kann auch, wenn man ein so bekennender Schwächling ist wie ich, ruhig mit dem armen Seemann, und natürlich dem bedauernswerten Kätzchen weinen. Ja, ich stehe dazu. Aber das fiktionale Kätzchen starb wenigstens nicht umsonst, es wurde Teil eines, wie gesagt, tollen Buchs.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10. Februar 2012 von in Literatur und getaggt mit , , , , , , .
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