Stubenhockerei

Wir gehen nie hinaus, wir bleiben nur zuhaus'.

carmelo bene, {1972} salomè aka neon vampires

(In Ermangelung italienischer Sprachkenntnisse auf Englisch:)

I WANT THE HEAD OF JOHN THE BAPTIST! WHERE IS THE HEAD OF JOHN THE BAPTIST?!

Oh ja, Carmelo Bene bringt die Geschichte Salomés – die biblische und die Oscar Wildes – gehörig durcheinander. Nicht nur bleibt er allen Beteiligten den Kopf schuldig, auch der Schleiertanz ist, im Gegensatz zu den anderen beiden Verfilmungen, keine expressive, offensive Angelegenheit, sondern eine wahre Umkehrung oder: ein Fingertanz des Schleierzusammenlegens.

Dies ist aber erst der Schluss, der helle, beinahe farblose, ruhige Schluss.

Und davor: Neon, Neon, Neon, Vampir-Jesus, Neon, Neon, Neon, Plastikedelsteine, Geschrei, Geschrei, Gebrüll, nackte Pos, Dali?, ein offensichtlich dementer Johannes der Täufer, geohrfeigt und geschlagen, eine engelhafte Herodias und Chaos, Chaos, Chaos, eine Kamera, die offensichtlich an ADHS leidet und mitten in all dem Wahnsinn eine sehr minimalistische Salomé. Als sie anfangs aus dem Wasser steigt, ist sie noch mit einigen Plastikedelsteinen geschmückt, die im Laufe des Films verschwinden und so bleibt sie bis zum Ende des Films nackt (und glatzköpfig) – ein absoluter Gegensatz zu den beiden anderen Verfilmungen, bei denen Salomé zwei Mal Kopfschmuck und Kostüm wechselt. Benes Salomé unterscheidet sich von den beiden anderen außerdem an ihrer ganzen Persönlichkeit, Darstellung und Erscheinung; wo Nazimovas und Russells Salomés sehr im Mittelpunkt stehen, sieht man von Benes Salomé selten etwas und immer weniger im Laufe des Filmes, wo eine ganze Zeit lang nur ihr Spiegelbild gezeigt wird; wo die beiden anderen aktiv sind und erobern wollen, wirkt Salomé hier, als sei sie auf Valium, als spreche sie durch fünf fremde Dimensionen hindurch. Ähnlich fremd wirkt auch ihre gesamte Erscheinung…Donyale Lunas alienhafte Augenform, die Glatze, die ihr zwar wunderbar steht, sie aber auch, in Verbindung mit ihrem Gesicht und ihrem sehr mageren Körper, beinahe geschlechtslos und nichtmenschlich wirken lässt.

Ohne Kenntnisse des Stoffs ist dieser Film wohl nur schwer durchzustehen (außer man ist dazu in der Lage, sich einfach nur visuell und akustisch bombardieren zu lassen); Dr. Schmock und ich haben ihn jedenfalls vor geraumer Zeit mal abgebrochen, nachdem wir einfach nicht hinterherkamen, werwasmitwemundwiesoundwarumzumteufelschreiendieallesogottverdammtargh!. Mit Nazimovas und Ken Russells Versionen als Einstieg wird der Film allerdings verständlicher und leichter nachvollziehbar. Marktschreierisch, neonfarben und hyperaktiv bleibt er allerdings trotzdem, was mir manchmal etwas zu anstrengend war.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 27. März 2012 von in Filme und getaggt mit , , , , , , .
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