Stubenhockerei

Wir gehen nie hinaus, wir bleiben nur zuhaus'.

The Boxer’s Omen (1983)

Chih-Hung Kueis The Boxer’s Omen (aka Mu) vermengt Buddhismus, schwarze Magie und chinesische Kampfkunst – eine wilde Mischung, denkt man sich, und während wir den Film guckten, schuf Herr Fräulein Himbär ein Wort, dass meinen Eindruck von diesem Film perfekt charakterisiert und sich nun konstant aufdrängt, als sei es alles, was es über diesen Film zu sagen gebe, als könne nichts die Existenz dieses Films so gut beschreiben wie dieses Wort, und dieses Wort ist:

BUDDHASPLOITATION

Buddhasploitation: Es klingt ideal, griffig, wunderbar. Und rein emotional gesehen gibt es für mich zu diesem Film nicht mehr zu sagen; außer vielleicht, dass er wirklich extrem – extrem – bunt ist.

Aber: Was, wenn die Darstellung des Buddhismus in The Boxer’s Omen, dieses ganze bunte, folkloristische Klimmbimm; was, wenn dies eine authentische Darstellung der Religion, oder vielleicht eher bestimmter Strömungen in dieser Religion ist? Ist unser Bild vom Buddhismus als diese ruhige, minimalistische Glaubensgemeinschaft nicht vielleicht die eigentliche Buddhasploitation?

Ich weiß weder genug vom Buddhismus, noch von fernöstlicher schwarzer Magie, noch von Kampfkunst, um mir wirklich irgendein Urteil über diesen Film bilden zu können. Dennoch schreit mein Herz: Buddhasploitation. Und: Was für ein unfassbar alberner Film. Leider nicht albern und überschwänglich genug, um ein wirklich fantastisches Anti-Werk darzustellen, aber nahe dran.

Und vielleicht ist diese Meinung vollkommen überheblich, und vielleicht haben Herr Fräulein Himbär und ich in The Boxer’s Omen die authentischste und beste Darstellung des Buddhismus unseres bisherigen Lebens gesehen.

Ich bin verwirrt. Und es ist spät.

Der ganze Aufbau von The Boxer’s Omen wirkt so furchtbar fadenscheinig und willkürlich. Es wirkt albern. Sollte ich mich, nur weil der Film einer fremden, mir recht unbekannten Kultur entspringt, mit meinem Eindruck zurückhalten? Warum sollte ich das tun?

Vielleicht konnte ich aber auch die philosophischen Tiefen von Filmen wie Zardoz (1974) einfach nicht verstehen. Warum halte ich mich in diesen Fällen nicht mit meinem Urteil zurück? Vielleicht fühle ich mich in diesen Fällen einfach sicherer.

Ich habe keine Ahnung von Hongkong-Filmen. Ich bin verwirrt. Es ist spät.

The Boxer’s Omen ist in seiner Albernheit jedenfalls ein sehr spaßiges Erlebnis, mit einäugigen Pudelwesen, die Laserstrahlen auf Buddhastatuen feuern; mit fliegenden, alienesken Köpfen; mit fliegenden menschlichen Köpfen; mit unsterblichen goldenen Mönchen; und so weiter, und so fort. Er ist leider weder so albern und absurd wie Zardoz noch so einfallsreich und innovativ wie beispielsweise Hausu (1977).

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 25. Mai 2012 von in Filme und getaggt mit , , , , , , .
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