Stubenhockerei

Wir gehen nie hinaus, wir bleiben nur zuhaus'.

Images (1972)

AMOKLAUF IN PHANTASIA

In Robert Altmans Images wird die Kinderbuchautorin Cathryn zunächst nur vom penetrant-lüsternen Geist ihres toten Ex-Mannes verfolgt; mit der Zeit sammelt sich allerdings eine ganze Truppe von entweder übernatürlichen oder doch nur halluzinierten Nervensägen – bis Cathryn schließlich entdeckt, dass auch Tote sterben können, ziemlich einfach sogar.

Die Kamera und das Wissen des Zuschauers verbleibt meist bei Cathryn; wir wissen nur selten (in unbedeutenden Fällen) mehr oder weniger als sie. Dies ermöglich eine höchst subjektive Einbindung der halluzinierten Figuren in das „tatsächliche“ Geschehen. Doch gleich zu Anfang bewegt sich der Film über eine subjektive Perspektive hinaus – es ist ein bemerkenswerter Übergang zwischen zwei Sequenzen: Cathryn steht auf einem Hügel über einem Fluss; die Kamera zoomt, seitlich an Cathryn vorbei, auf ein Haus am Ufer des Flusses. Dort fährt ein Auto ein – es scheint jenes zu sein, in dem Cathryn und ihr Mann Hugh unterwegs sind. Die Kamera schneidet zu Cathryn, die das einfahrende Auto beobachtet hat und nun sichtlich verwirrt zu ihrem Auto schaut, welches noch, ganz unberührt, in ihrer Nähe auf dem Hügel steht. Sie schaut zurück auf das Ufer, wo nun eine Person den Wagen verlässt und das Haus betritt. Nun zeigt die Kamera Cathryn, die gerade aus dem Haus tritt und – sichtlich verwirrt – in die Höhe schaut. Die Kamera zoomt auf eine Silhouette auf dem Hügel – und nun beginnt, unten, in dem Haus, eine neue Sequenz: Wir sind von der Cathryn auf dem Hügel zur Cathryn im Haus am Ufer übergegangen; zwei Cathryns, die zumindest zeitweise nebeneinander existierten. Dieser Sequenzübergang macht natürlich auch als subjektive Sicht keinen Sinn. Er kann als Ausdruck für Cathryns „Spaltung“ (das Schizo- des Phrens) interpretiert werden; vor allem beweist es aber eine erzähltechnische Virtuosität, die sich auch an vielen weiteren Stellen des Films findet.

Der Film arbeitet oft mit den Hypothesen seiner Zuschauer, die er immer wieder durchkreuzt (gleich zu Anfang, wenn der Ehemann seine Waffe lädt, erwartete zumindest ich einen Mord – der dann, mit dieser Waffe auch folgt, allerdings erst später. Es gibt bessere Beispiele, deren Erwähnung allerdings zu viel ärgerer Spoilerei führen würde). Leider entwickelt der Film schließlich doch eine gewisse Vorhersehbarkeit.

Trotz all seiner positiven Aspekte und all seines formalen Einfallsreichtums, schaffte es der Film nicht, mich allzu sehr für Cathryn oder ihre Umgebung zu interessieren. Ihre Monologe, in denen sie aus ihrem Kinderbuch über Einhörner vorliest (übrigens wirklich ein Buch der Schauspielerin Susannah York), sind zwar ein netter Gegensatz zur Erwachsenenwelt; allerdings sind sie auch furchbar kitschig und dröge und hätten definitiv reduziert werden können. Auch die Motivation für all die halluzinierten Figuren (Cathryns einstige Einsamkeit, die sie zur Erschaffung imaginärer Freunde bewog), wirkt irgendwie dürftig. Und darüber hinaus konnte ich auch mit den Liebes- und Sexverstrickungen zwischen den Hauptfiguren wenig anfangen… meine Probleme – meine gewisse Enttäuschung über diesen Film – waren also rein inhaltlicher Natur.

Aber auch meine Enttäuschung war nicht allzu groß. Viel mehr kann ich über den Film kaum schreiben – also gute Nacht.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 4. Juli 2012 von in Filme und getaggt mit , , , , , .
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