Stubenhockerei

Wir gehen nie hinaus, wir bleiben nur zuhaus'.

Akamoru (1967)

akamoru

*

Gestern lief im Rahmen der Nachtschicht-Reihe im Berliner Babylon-Kino der semi-verschollene Chi wa taiyo yori akai (Akamoru – das dunkle, wilde Begehren; 1967) des japanischen Pink-Eiga-Regisseurs Koji Wakamatsu. Ich sollte gleich zu Anfang betonen, dass ich von Wakamatsu lediglich zwei Filme (Violated Angels, 1967 und Go, Go, Second Time Virgin, 1969) gesehen habe und mir eine Einordnung Akamorus in sein Werk folglich gar nicht möglich ist – aber naja, ich will trotzdem, wie üblich, ein bisschen herumstümpern und Folgendes zum Besten geben:

Akamoru war für mich vor allem eine visuelle Erquickung. Ich weiß nicht was es ist, aber irgendetwas in der Art, wie Wakamatsu in seinen Filmen mit Kamera und Licht umgeht, pustet mir jedesmal die Augen aus ihren Höhlen. Er mischt bewegte mit unbewegten Bildern, er wählt auffällig schräge Aufnahmepositionen – aber immer funktioniert es, nichts wirkt aufgesetzt oder überstilisiert.

So waren es in Akamuro für mich allerdings auch die Bilder, die eine in ihrer Grundstruktur weniger interessante Coming-of-Age-Geschichte getragen haben. Der junge Hiroshi beginnt, gegen seine Familie zu rebellieren, der Vater eines Mädchens, in das Hiroshi sich verliebt hat, wird von Hiroshis Bruder wegen seiner Aufsässigkeit und Anständigkeit entlassen, Hiroshi rebelliert weiter, Hiroshi hasst alle Erwachsenen, Hiroshi schließt sich einer Bande an, Hiroshi tötet den Vater des Mädchens. Trotz dieser eigentlich sehr dichten Story (und zahlreichen Nebengeschichten, die ich hier ausgelassen habe) und seiner eigentlich sehr geringen Länge von nur 81 Minuten hatte ich oft das Gefühl, der Film ziehe sich etwas in die Länge. Andererseits hätte ich mir gewünscht, der abschließende und vielleicht interessanteste Aspekt des Films, der zu seinem fast abrupten Ende führt – also Hiroshis Mord, der ihn in die von ihm so verteufelte korrupte Welt der Erwachsenen holt – wäre etwas mehr in den Mittelpunkt des Films gerückt und hätte die vorhergehenden, leider etwas plump formulierten Konflikte (der aufrichtige radikale Arbeiter vs. die korrupten Gewerkschafter und das Management; die freien Jugendlichen vs. die verstockten Erwachsenen; der abgeklärte Hiroshi vs. die dumpf-religiöse Mutter) stärker überdecken können.

Dennoch bin ich froh, Akamuro gesehen zu haben. Und ein herzliches Dank an das Nachtschicht-Team, von dem ich eigentlich hoffe, dass es diesen Text niemals lesen wird, weil ich ein sehr gespaltenes Verhältnis zu dem habe, was ich hier von mir gebe.

_________________

* Ich glaube, das Artikelbild stammt nicht einmal aus dem Film; ich habe es (ziemlich dreist) aus dem Promo-Material der Nachtschicht genommen.

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3 Kommentare zu “Akamoru (1967)

  1. Der Schichtarbeiter
    5. Mai 2013

    „Und ein herzliches Dank an das Nachtschicht-Team, von dem ich eigentlich hoffe, dass es diesen Text niemals lesen wird, weil ich ein sehr gespaltenes Verhältnis zu dem habe, was ich hier von mir gebe.“

    Schon passiert 😉

    Wir freuen uns trotzdem über jedes Lob, jeden Dank und jede Filmentdeckung, die wir mit unserer Reihe begünstigen können 🙂

    Bis Juni mit Grüßen:
    Der Schichtarbeiter

  2. Pingback: Shaoshis Monatsrückblick Mai 2013 | LittleBigAsia

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 5. Mai 2013 von in Filme und getaggt mit , , , , , .
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