Stubenhockerei

Wir gehen nie hinaus, wir bleiben nur zuhaus'.

Meat Love (1989)

meat-love

 

Ein kurzer Blick, der alles verändert. Ein frecher Klaps auf den Po. Ein Tanz. Ein wilder Liebesakt in einem Teller Paniermehl. Und dann, ach!, das jähe Ende der Romanze: Die Liebenden landen in der Pfanne.

Der nur eine Minute lange Meat Love ist eine wunderbare Zusammenfassung der Švankmajer’schen Verbitterung: In jedem noch so banalen Objekt ein kleines Leben, eine kleine eigene Welt, die wir durch unsere Phantasie erwecken können – doch am Ende der Geschichte steht die Bratpfanne. Fressen muss der Mensch.

Švankmajer hat eine eigenartige Faszination mit Fleisch, bei der immer ein Gefühl von Kannibalismus mitschwingt – wie schon in Historia Naturae, Suita (1967), wo der Mensch in einer Reihe mit all den Tieren steht, auf deren Fleisch er in den Zwischeneinstellungen herumkaut. Vielleicht ist Fleisch für Švankmajer der ideale Kompromiss zwischen der Welt der „reinen“ Dinge, wie den Büroutensilien, Puppen und Tonklumpen, die er in seinem Filmen zum Leben erweckt, und der Welt des tatsächlich Lebendigen, die natürlich in jedem seiner Filme irgendwo aus dem Hintergrund durchscheint, mit der Švankmajer aber nicht so viel anfangen kann (oder will). Fleisch ist das zum Ding gewordene Leben, an dem Švankmajer seine Phantasie ausleben kann.

Naja, und es ist natürlich ein Memento Mori; eine kleines Erinnerung, dass wir alle über kurz oder lang zu leblosen Dingen werden – es sei denn, wir finden einen Švankmajer, der mit unseren Resten spielt.

Ein Kommentar zu “Meat Love (1989)

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 8. Mai 2013 von in Filme, Kurzfilme und getaggt mit , , , , , .
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