Stubenhockerei

Wir gehen nie hinaus, wir bleiben nur zuhaus'.

Jídlo (1992)

food

Ich glaube, ich habe hier bisher noch nie den deutschen Titel eines Films gelobt, also folgt jetzt eine kleine Premiere: Das kleine Fressen, nicht schlecht, nicht schlecht, gar nicht schlecht. Natürlich könnte man argumentieren, dass der Film damit in den Schatten von Marco Ferreris „großem“ Fressen (1973) gerückt wird. Aber naja, das wäre schließlich ein ziemlich großer, gemütlicher und ehrenwerter Schatten. In beiden Filmen wird, wie man sich denken kann, das Essen als Analogie behandelt – als Verschlingen, als gesellschaftliches Spe(c!)ktakel, eben als Fressen. Švankmajer benutzt diese Metapher in seinem Film gleich dreifach, aufgeteilt in die drei Tagesmahlzeiten: Zum Frühstück jeweils zwei Figuren, die sich abwechselnd als Essensausgabeautomat missbrauchen; zum Mittagessen das Aufeinandertreffen zweier sozialer Klassen, von der die eine die Gewohnheiten der anderen imitiert und beide dabei das halbe Restaurant vertilgen; bis zum Abendessen, wo der Ritus des Essens, dieser Mikrokosmos aus Regeln und Konventionen, in Selbstkannibalismus mündet. Dabei wackelt und rüttelt das Bild, die Handlungen wiederholen und wiederholen und wiederholen und wiederholen sich, immer noch ein kleines bisschen öfter und länger, als man erwarten würde, das Wiederholen; und die ganze Mechanisierung des Alltags drängt sich dem Zuschauer geradezu auf. Der Fokus des Films liegt somit natürlich in einem anderen Bereich als bei Ferreri, aber dennoch – die Parallele ist erkennbar, der deutsche Titel ist (um darauf zurückzukommen) einfach toll. Und der Film natürlich auch.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 30. Mai 2013 von in Filme, Kurzfilme und getaggt mit , , , , , , .
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