Stubenhockerei

Wir gehen nie hinaus, wir bleiben nur zuhaus'.

Carne (1991)

carne

Der immerhin 40-minütige Carne ist der Vorläufer zu Gaspar Noés erstem Langfilm Seul contre tous (dt. Menschenfeind, engl. I Stand Alone, 1998) und zeigt uns genau das, was zu Beginn des späteren Films kurz zusammengefasst wird: Die Geschichte des Metzgers, der Blut am Rock seiner autistischen Tochter sieht und glaubt, man habe sie vergewaltigt; der einen unschuldigen Menschen brutal attackiert und so dessen und auch sein eigenes Leben ruiniert. Es ist ein wunderbarer Blick auf die Psyche des wütenden kleinen Mannes, der sich von der Banalität seines Lebens betrogen fühlt, der die vielen Fehler der Welt erkennt und offen anspricht; seine eigenen aber vollkommen ignoriert. Es passt, dass Gaspar Noé sich mit seinem Stil unter anderem auch an Lehrfilmen orientiert, wenn seine schnellen Bilder von warnenden, erklärenden und sonstigen, den Zuschauer direkt ansprechenden Zwischentiteln unterbrochen werden.

Aber das ist natürlich nicht der einzige Einfluss: Noés kurzer Film erinnert mal an die Nouvelle Vague, mal an David Lynch, mal (ganz offensichtlich) an mexikanische Wrestler-Filme und gerade zu Anfang auch an Georges Franjus Sang des Bêtes (1949), und damit auch an Fassbinders In einem Jahr mit 13 Monden (1978). Kein Wunder also, dass Quentin Tarantino von dem Film so beeindruckt war, dass er gleich nach einem Pferdefleisch-Hamburger verlangte. Ich würde mich anschließen.

Unten gibt’s den ganzen Film auf youtube – leider nur mit spanischen Untertiteln.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. Juni 2013 von in Filme, Kurzfilme und getaggt mit , , , , .
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