Stubenhockerei

Wir gehen nie hinaus, wir bleiben nur zuhaus'.

La leggenda di Kaspar Hauser (2012)

La_leggenda_di_Kaspar_Hauser

Der Sheriff, gespielt von Vincent Gallo, tanzt auf dem Dorfplatz gegen seinem Opponenten, den Pusher, ebenfalls gespielt von Vincent Gallo. Vincent Gallo, der Sheriff, sitzt am Strand und findet Kaspar Hauser, einen auf die anscheinend recht abgelegene italienische Insel gespülten Jungen (gespielt von einer jungen Frau), der „Kaspar Hauser“ in dicken Lettern auf seiner Brust trägt – was auch über den ganzen Film so bleiben wird. Vincent Gallo, also der Sheriff, will dem konstant manisch tanzenden Jungen beibringen, wie man DJ wird, aber Vincent Gallo, sein Gegenspieler im Auftrag der ominösen Herzogin, plant etwas gegen Kaspar Hauser zu unternehmen. Nebenbei gibt es noch eine Prostituierte, bekannt als „Whore“, einen Priester, der die Aufschrift „Priest“ in Judas-Priest-Manier auf dem Rücken trägt, einen Knecht mit vorzeitigem Samenerguss und einem Kropf, ein Maultier und Tonino, einen Dorfbewohner, der wahrscheinlich gar nicht wusste, dass er in einem Film mitspielt. Und über allem, über den Schauspielern, ihren Dialogen, der Handlung, den Bildern, ja eigentlich dem gesamten Film, liegt die Techno-Musik des französischen DJs Vitalic, jenes Unz-Unz, zu dessen Prophet Kaspar Hauser, der nur noch in Grundzügen etwas mit der rätselhaften Figur aus Nürnberg zu tun hat, hier erklärt wird.

La leggenda di Kaspar Hauser ist schräg, und bemüht sich manchmal sehr, auch wirklich, wirklich schräg zu sein. Aber das Entscheidende ist: Es gelingt ihm. Mir fällt kein Film ein, mit dem sich La leggenda di Kaspar Hauser passend vergleichen ließe – vielleicht am ehesten mit Alejandro Jodorowskys El Topo (1970) und The Holy Mountain (1973), allerdings minimalistischer, mit einer vollkommen anderen Art Esoterik und mit einer eigenartigen Mischung von mal witzigen und mal etwas schwerfälligen Episoden. Was, wenn ich darüber nachdenke, doch eigentlich einer Übersetzung der bunten 70er-Progressive-Späthippie-Stimmung von Jodorowskys Filmen in die kühle 00er-Techno-Spätraver-Stimmung entspricht. Vielleicht ist das ja sogar die Idee dieses Films! Heureka!

Seitdem wir uns La leggenda di Kaspar Hauser gestern angesehen haben, warte ich übrigens auf den Film, in dem Vincent Gallo nicht nur zwei, sondern wirklich jede Rolle spielt. Ich habe auch das Gefühl, in diesem Film hätte dies gut funktioniert. Aber nichtsdestotrotz wird mir seine Performance als langmähniger Sheriff, der hauptsächlich über die drei Ausrufe „Yeah!“, „Okay!“ und „Alright!“ kommuniziert, wahrscheinlich noch auf unbestimmte Zeit im Gedächtnis bleiben. Insofern lohnt es sich schon allein wenn man Vincent Gallo mag (und ich muss zugeben, ich tue es), diesen Film anzusehen. Sollte man allerdings aus irgendwelchen Gründen allergisch auf Techno (oder auf Vincent Gallo) reagieren, so halte man sich von ihm fern, fern, fern.

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2 Kommentare zu “La leggenda di Kaspar Hauser (2012)

  1. lostfunzone
    29. Juli 2013

    na, der trailer ist ja voller spoiler… 😉

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 28. Juli 2013 von in Filme und getaggt mit , , , , , .
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