Stubenhockerei

Wir gehen nie hinaus, wir bleiben nur zuhaus'.

The Dead {Stan Brakhage, 1960}

the_dead

Der Deadsinteressierte Schmock schreibt:

In The Dead lässt Brakhage seine Kamera durch den bekanntesten Pariser Friedhof, Père Lachaise, wandern; belichtet die Bilder doppelt, entwickelt sie negativ und präsentiert uns unerklärterweise zwischendurch ein Bild von Kenneth Anger und eine Bootsfahrt über die Seine (d.h. den Fluss „Seine“). An deren Ufern stehen die Menschen regungslos herum und wirken wie ein visuelles Echo zu den Gräbern, die Brakhage im restlichen Film in Negativbildern zeigt. Mit diesem Effekt lässt er, passenderweise für einen Friedhof, die dunklen Stellen des Bildes stahlen und die hellen Stellen hinter ihnen zurücktreten – aus jeder Gruft, aus jeder (eigentlich dunklen) Ritze dieser Gräber scheint ein intensives, leicht verstörendes Licht in das Bild zu dringen.

Schmock, Grüße Invertierte

the_dead_2

(Kenneth Angers Zombie-Vision)

Der Blick jagt unruhig hin und her. Wacklige, konfuse Fragmente. Ein hochgradig gestörtes Bild, das auseinanderzufallen droht. Dann gradlinige Bewegung. Wir bewegen uns in eine Richtung. Der Blick bleibt unruhig. Auf der anderen Seite gerade noch wahrnehmbare Gestalten. Sie sehen zu uns hin, aber sie sehen uns nicht. Ich weiß nicht, was sie tatsächlich sehen. Vielleicht nur den Wind im Wasser oder in den Bäumen. Bin ich tot oder sind sie es? Warum sehe ich sie, warum sehen sie mich nicht? Hellblaue Kälte zwischen uns. Leere. Es gibt keine Erinnerungen in mir, wenn der Blick dunkler wird, unruhiger, zwischen den Steinen umherhetzt, wie ein wildes Tier, das verzweifelt versucht einen vertrauten Geruch zu wittern. Wo komm‘ ich her? Wie finde ich hier wieder heraus? Wann zerfällt endlich das Bild? Wann vergeht diese Wahrnehmung? Wie diese Welt ertragen, die mich nicht (mehr) wahrnehmen kann?

(Pure Einsamkeit dringt in die Augen.)

((Eigentlich finde ich es durchaus sehr schade, dass Brakhage selten Ton verwendet hat. Aber je mehr ich über The Dead nachdenke, desto passender finde ich es in diesem Fall. Dieses seltsame Gefühl, etwas zu sehen, das gewohnterweise Ton beinhalten würde, aber eben nichts zu hören, bewirkt ein taubes Gefühl, so als hätte man Watte in den Ohren. Es ist befremdlich und unangenehm und steigert das Gefühl der Einsamkeit und Unsichtbarkeit ins Unerträgliche.)) (malina)

» Stills & .gif

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 6. Oktober 2013 von in Filme, Kurzfilme und getaggt mit , , , , .
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