Stubenhockerei

Wir gehen nie hinaus, wir bleiben nur zuhaus'.

Ascension of the Demonoids {George Kuchar, 1985}

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Eine Akte X-Folge mit sämtlichen Akte X-relevanten und -nebensächlichen Themen? Mit atmenden Vorhängen, Kochrezepten, lynchigen Gängen, Badezimmerpsychedelik, Drama, Pomp, Schnauzbärten und fliegenden Haaren auf Hawaii? Das alles acht Jahre vor Akte X (fast, als wär’s ein Demotape) und in dreckigster VHS-Qualität? -> Ascension of the Demonoids! ♥ (Himbärchen)

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Sich Kopf und Ohren an der Frage zergrübelnd, ob im Soundtrack von Ascension of the Demonoids ein kurzer Abschnitt aus einem Stück von Philip Glass, genauer aus Koyaanisqatsi, verwendet wird, schreibt der Desinteressierte Schmock:

Man stelle sich einen Regisseur vor, ausgestattet mit ein paar arbeitslosen Freunden und einer billigen Kamera, der die gesamten Geschichten von Akte X in einen einzigen, 45-minütigen Film kondensieren möchte; also möglichst viele UFOs, Aliens, ein bisschen Bigfoot und eine Invasion von Clowns on the side und ein paar vollkommen willkürliche Sachen dazwischen (also beispielsweise Kochrezepte, Badewannen, Hawaii). Heraus käme im besten Fall etwas, das George Kuchars Ascension of the Demonoids sehr ähnlich sähe.

Kuchars Film, angeblich sein letzter Film auf Film (nur die youtube-Version ist in VHS-Qualität), entstand zwar lange vor den X Files, allerdings Mitte der Achtziger noch auf dem Höhepunkt der UFO-Meldungen. In seinem Film rücken die Aliens jedoch immer wieder in den Hintergrund, während die Figuren in melodramatische Liebesprobleme oder esoterische (Traum-?)Sequenzen abgleiten. Die verschiedenen Teilhandlungen werden eigentlich nur durch das Gestammel des Erzählers verbunden, der jeden Übergang von einer willkürlichen Episode in die nächste zumindest irgendwie in einen Zusammenhang zu stellen versucht, beispielsweise:

„For some peculiar reason Bigfoot seems to be involved with the whole… UFO thing, maybe he… or she, whatever it is, is actually a pet of the UFO… astronauts, or the UFO-nauts, or whatever they’re called.“

Doch auch innerhalb der Episoden stoßen wir auf einen wahren Schatz an Gedanken, die ziellos in verschiedene Richtungen springen, oder sich im Nichts verlaufen, so zum Beispiel diese Perle der Weisheit aus dem Munde eines UFO-Club-Mitglieds:

„The casual observer might think that it’s unusual that most of the sightings occur by women and photographers that don’t know how to focus their camera, but the uncasual observer, that has seen this club, knows that most of the people here were born with multiple congenital anomalies.“ (Wissender Blick in die Kamera)

Darauf folgt übrigens ein Rezept für Schmorbraten, und beginnt folgendermaßen:

„It’s very simple to make a pot roast: You put it in the oven, …“

Und das, das ist gewiss keine Lüge. Allgemein scheint der Film nicht zu wissen, was er eigentlich von sich halten soll, und dies auch gar nicht wissen zu wollen – schließlich besteht das Happy End daraus, dass eine Figur, die echte Menschen nicht von Woolworth-Produkten unterscheiden kann, es schafft, auf Hawaii seine große Liebe zu finden.

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn man sich – betrunken, bekifft, müde, sonstwie angeheitert – vorstellt, wie toll es wäre, einen Film darüber zu drehen, wie, sagen wir, Godzilla zum Fußballstar wird, er aber bei jedem Sieg mit seinem Feueratem das Stadion versengt, und Godzilla Probleme mit seiner Haftpflichtversicherung bekommt, und die Haftpflichtversicherung Godzilla als Galeerensklaven auf die Titanic schickt, und sich ein Priester in einen Eisberg verliebt, den Godzilla mit seinem Atem schmelzen lässt, wonach der Priester bei Godzilla Trost sucht, nicht ahnend, dass Godzilla den Eisberg geschmolzen hat, etc., etc.? Die Kuchars machten diese Filme. Nur besser (auch mit besseren Ideen, zugegebenermaßen).

Zieht den Hut, Schmock

» Stills & .gifs

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 1. November 2013 von in Filme und getaggt mit , , , , .
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