Stubenhockerei

Wir gehen nie hinaus, wir bleiben nur zuhaus'.

Я холоден. Ну и что? {Gleb & Igor Aleinikow, 1987}

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Desinteressierter Schmock hat sogar mal angefangen, Russisch zu lernen. Er kann es zwar nicht sprechen, er kann es nicht verstehen, aber zumindest ist er am Ende von russischen Filmen immer ganz glücklich, weil er weiß, was конец bedeutet.

Igor und Gleb Aleinikows Kurzfilm Я холоден. Ну и что? (engl. Titel I’m cold, so what?) ist gewissermaßen zweigeteilt: Im visuellen Teil sehen wir zwei junge Männer, die zunächst einen Schrottplatz, oder eine Müllhalde, durchstreifen und dort auf einen in Katatonie gefangenen Mann stoßen, mit dem (bzw. mit dessen starrem Körper) sie allerlei (harmlosen!) Schabernack treiben. Auf der Tonspur hören wir hingegen ein Interview mit einem einzelnen Regisseur, der über Ereignisse spricht, die in einem groben Zusammenhang mit den gleichzeitig gezeigten Bildern stehen – darüber, wie er auf einem Schrottplatz M.E. (was auch immer das sein mag) fand und filmte, um es Menschen in aller Welt zugänglich zu machen. Irgendwann scheint er die Interviewerin zu vergewaltigen, während das Bild im Schwarzen flackert, und letztendlich spricht er noch über sein Verhältnis zu seinen Filmen und zum Film im Allgemeinen.

Nette visuelle Gags, schräge Komposition.

Конец, Schmock

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Ein paar junge Menschen streunen auf Müllhalden umher, rammen sich Messer in Bäuche, sprechen durch Sprechblasen, machen alberne Gesichter, sind aufgemacht wie Zombies und knuddeln Bäume. Im Off gibt es eine sciencefictionartige Geschichte, Sex und Gedanken über Film und Realität. Das alles ist noch viel amateurhafter gemacht, als es sich liest und erinnert in der Albernheit ein bißchen an die frühen Kurzfilme Yufits wie Санитары-оборотни (Werewolf Orderlies) oder Лесоруб (Woodcutter).
Es wäre an dieser Stelle unangebracht, Я холоден. Ну и что? (I’m cold. So What?) zu sehr zu intellektualisieren, auch wenn die Regisseurstimme aus dem Off sich selbst in ihren Ansichten zu Kino und Realität verliert und verknotet. Beim Dreh hatten alle offensichtlich viel Spaß, aber erst die Tonspur macht die Atmosphäre.

Im Gegensatz zu den Filmen der Aleinikovs wirken Yufits Filme beinahe wie Blockbuster, was beim neugierigen Zuschauer auf jeden Fall Interesse am Parallel Cinema voraussetzt. Leider habe ich momentan keine Zeit mich selbst noch näher damit zu beschäftigen oder gar mein bisher angelesenes Wissen in dieser Notiz zu verwörtlichen (so viel sei gesagt: Das Parallel Cinema entstand in den 8oern, als die staatlichen Kontrollen der Sowjetunion langsam lockerer wurden. Zuvor gab es neben dem professionellen Film, also ausgebildeten Filmemachern, schon eine sehr ausgeprägte, allerdings auch staatlich geförderte Amateurfilm-Bewegung. Das Parallel Cinema ließ nun beides hinter sich.), deshalb verweise ich bei Interesse einfach auf diesen ausführlichen Artikel(Malina (das russische Wort für Himbeere – das himbärige Wort für’s Rußische – äh. —))

» Stills & .gifs

Den Film gibt’s auf ubuweb (allerdings ohne Untertitel; eine Transkription des Off-Dialogs (und weitere Infos zu den Aleinikovs & Parallel Cinema) findet sich hier).

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2 Kommentare zu “Я холоден. Ну и что? {Gleb & Igor Aleinikow, 1987}

  1. Pingback: Жестокая болезнь мужчин {Igor & Gleb Aleinikow, 1989} | Stubenhockerei

  2. Pingback: Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (13-01-14)

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