Stubenhockerei

Wir gehen nie hinaus, wir bleiben nur zuhaus'.

Трактора {Igor & Gleb Aleinikow, 1987}

traktora

Oh Traktor, göttlicher Traktor…

Gleb und Igor Aleinikows Film glorifiziert zunächst, in typischer Aleinikow-Manier, das Symbol des sowjetischen Landarbeiters: Den Traktor. Herr Fräulein Himbär war so nett, mir den russischen Off-Text zu übersetzen, und naja, der Traktor ist halt einfach toll. Man kann nicht nur allerlei mit ihm anstellen, er ist nicht nur ein Umgestalter, Bearbeiter, titanischer Abkömmling von Mutter Erde Gaia, er verleiht Männern (natürlich!) auch ungeahnte sexuelle Kräfte. Aber nicht nur Männer haben etwas davon: Am Ende erzählt uns eine Frau von ihrem orgasmischen Erlebnis beim Anwerfen eines Traktorenmotors.

Wieder legen die Aleinikows ihren dadaistischen Text über Found-Footage; eine Rekontextualisierung und ein symbolisches Umdeuten, die sowohl an eine berühmte Sequenz aus Chris Markers Lettre de Sibérie (1957) als auch an J.G. Ballards unvergessenen Text Why I Want to Fuck Ronald Reagan (1968) erinnern. Zumindest ein bisschen.

Schmock■

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Was dem Nachkriegsdeutschen das Auto, war dem Sowjet anscheinend der Traktor. Da aber den Aleinikov-Brüdern auch das nicht heilig ist, schneiden sie in ihrem Kurzfilm Traktorenbezogenes und Propagandamaterial aneinander und lassen im Off einige Sprecher zu Wort kommen. Die erste Sprecherin umreißt die Geschichte und Entwicklung des Traktors, der zweite Sprecher erklärt uns die Einsatzgebiete eines Traktors und stellt fest, dass der Traktor, egal was er tut, immerzu mit der Erde verbunden ist und außerdem auch mit dem Volk, welches seine Traktorfahrer liebt (männlichen Traktorfahrern werden ungewöhnliche sexuelle Vorlieben nachgesagt und was die Traktorfahrerinnen angeht, so habe ich diesen Teil leiderleider nicht verstanden). Auch die nächsten beiden Teile waren aufgrund des schlechten Tons schwer zu verstehen; aber sie klingen schwermütig, die kraftvollen Auswirkungen der starken Maschinen beschreibend, die Hitze des Motors, das Erbeben der Erde, die rußigen Abgase…. Anschließend beschreibt uns eine Traktorfahrerin, als Erwiderung auf das Vorurteil, eine Frau könne ein solch schweres Gerät wie den Traktor nicht beherrschen, auf recht sexuelle Weise wie sie die mächtige Maschine in Gang setzt. Und dann folgt ein Lied, dessen Text ich leider wieder kaum verstehe, aber sowohl in den Bildern als auch in den Worten scheint man Traktoren und Raketen in Zusammenhang zu setzen…■ (Malina)

» Stills & .gif

Den Film gibt’s auf ubuweb.

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2 Kommentare zu “Трактора {Igor & Gleb Aleinikow, 1987}

  1. Manfred Polak
    28. Januar 2014

    Ich weiß nicht mehr, ob es in Dowschenkos ERDE oder in Eisensteins DIE GENERALLINIE war, aber es gibt da eine Szene, in der einem Traktor das Kühlwasser ausgeht und der Motor kocht. Da schrauben die Männer der Kolchose den Deckel des Wassertanks ab, pissen kollektiv hinein, und schon kann es weitergehen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 28. Januar 2014 von in Filme, Kurzfilme und getaggt mit , , , , , , , , .
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